Amazon und die Methoden des Union Busting

Streikdarstellung nach Innen und Außen

Der Weltmarktführer im Onlinehandel Amazon ist bekannt für sein aggressives Verhalten gegenüber Gewerkschaften im Allgemeinen und aktiven Gewerkschaftern im Betrieb. Dieses Phänomen wird als Union-Busting (engl. Gewerkschaftszerschlagung) bezeichnet. Hierfür hat der Konzern ganz eigene Strategien, für die er große Mühen und viel Geld aufwendet. Dabei unterscheidet er zwischen nach innen und außen gerichteten Maßnahmen. Bei den nach innen gerichteten Maßnahmen zielt Amazon auf seine Mitarbeiter ab, die nach außen gerichteten Maßnahmen betreffen hingegen Medien und Werbung.Dabei gibt es durchaus Schnittmengen. Diese ist immer dann zu beobachten, wenn gestreikt wird.

Hierbei muss wiederum zwischen Streiks innerhalb und außerhalb des 4. Quartals unterschieden werden. Je nach dem ändern sich die Sprache und das Verhalten Amazons. Bei Arbeitsniederlegungen während der ersten drei Quartale versucht Amazon diese den Medien gegenüber komplett zu ignorieren. Ähnliches gilt auch für die interne Kommunikation. Innerhalb des Streikzeitraumes wird versucht auf das Thema nicht einzugehen. Hierbei hat Amazon gelernt. Bei den ersten Streiks wurde bei Abteilungsmeetings behauptet, dass technische Störungen und Ähnliches eine rechtzeitige Auslieferung aller Pakete verhindert hätte.


Streik in der Vorweihnachtszeit

Das Thema Gewerkschaft und Streik zu ignorieren ist während des Weihnachtsgeschäftes natürlich nicht möglich, da die Journalisten schon mit Aktionen seitens der Gewerkschaft rechnen. Hier wird dann versucht den Medien ein positives Bild von sich selbst zu vermitteln und auch das Versprechen alle Kunden rechtzeitig zu beliefern wird Mantra artig wiederholt. Es wird darauf hingewiesen, dass man genügend Saisonkräfte eingestellt hat, um mit einem hohen Bestellvolumen umgehen zu können. Diese Aussage trifft aber nur bedingt zu.

Sicher, die vielen Saisonkräfte verrichten gute Arbeit und können das sog. Standardvolumen rechtzeitig verschicken. Standardvolumen meint hier die Bestellungen von Kunden, welche keinen Premium bzw. Prime Account besitzen. Hierfür gibt Amazon auf seiner Internetseite auch eine größere Lieferspanne an. Das kritische Bestellvolumen ist aber eben jenes der Prime-Kunden. Dieses wiederum wird vornehmlich von festangestellten Mitarbeitern bearbeitet. Eben jenen Mitarbeitern, die sich an den Streiks beteiligen. Denn Prime-Bestellungen können bis zu anderthalb Stunden, bevor der LKW das Betriebsgelände verlässt, aufgegeben werden. Ein knapper Zeitraum also, bei dem jeder Handgriff sitzen muss. Daher werden auch hauptsächlich Festangestellte mit der Bearbeitung dieser Artikel betraut.

Sind allerdings Streiks angesetzt so konnte schon beobachtet werden, dass die Verfügbarkeit eines Artikels plötzlich eingeschränkt war und das Lieferversprechen auf der Seite von vornherein verlängert wurde, nur um später zu behaupten, man habe sich an das eigene Versprechen gehalten. Die interne Kommunikation hat sich aber auch für das Weihnachtsgeschäft geändert. Während in den vergangenen Jahren immer betont wurde, dass man sich von den Störungen außerhalb der Hallen nicht beeinflussen lasse, so versucht man jetzt die streikenden Mitarbeiter dazu zu bewegen sich nicht an weiteren Aktionen zu beteiligen. Daher wird an vielen Standorten eine „Anwesenheitsprämie“ von maximal 200€ in den beiden Wochen vor Weihnachten ausgelobt. Diese bekommt aber nur, wer in diesem Zeitraum aber weder krank ist noch Urlaub hat. Letzteres ist ohnehin nicht möglich da eine Urlaubssperre für den Monat Dezember verhängt wurde. Daher ist diese Prämie als Streikbrecher-Zahlung zu werten. Denn wäre es das nicht könnte man diese Summe auch gleich mit dem Lohn überweisen.

Diese Zahlung beweist einerseits, dass die Streiks Wirkung zeigen, ansonsten müsste das Unternehmen nicht zu solchen Mitteln greifen. Andererseits zeigt die angekündigte Prämie auch, dass die Streikenden wichtig für das operative Geschäft sind. Schade ist dabei nur, dass man sie nicht als gleichberechtigte Verhandlungspartner ansieht.

Crissy

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(C) 2014 ver.di - Fachbereich Handelzuletzt aktualisiert: 17.07.2019